23 May 2026, 20:22

Bergkirchweih in Erlangen verbietet "problematische Partysongs" – Streit um Zensur oder Fortschritt

Ich bin der Herr von Erlangen, Euer Nachbar vom Land

Bergkirchweih in Erlangen verbietet "problematische Partysongs" – Streit um Zensur oder Fortschritt

Erlangens traditionelles Bergkirchweih-Volksfest steht wegen seiner Musikauswahl in der Kritik. Die Stadtverwaltung hat mehrere klassische Partyhits auf eine schwarze Liste gesetzt, da sie als sexistisch oder frauenfeindlich eingestuft wurden. Der Schritt erfolgte nach einer Beschwerde einer Frau, die im vergangenen Jahr ungewollte Annäherungen erlebt und sich durch die gespielte Musik unwohl gefühlt hatte.

Auslöser war der Bericht einer Besucherin in den Nürnberger Nachrichten, die schilderte, auf dem Fest von aggressiven Männern begrapscht worden zu sein. Zudem kritisierte sie die Liedauswahl, die ihrer Meinung nach eine abschreckende Atmosphäre geschaffen habe. Daraufhin prüften Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck, die Gleichstellungsbeauftragten der Grünen, eine Liste „problematischer Partysongs“.

Als Folge landeten Titel wie Skandal im Sperrbezirk sowie Stücke von Künstlern wie Mickie Krause und Peter Wackel auf der offiziellen Schwarzen Liste. Die Entscheidung stützt sich auf einen Beschluss des Stadtrats aus dem Jahr 2021, den CSU, Linke und SPD mitgetragen hatten. Damals wurde die Aufführung von Liedern mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ auf dem Fest verurteilt.

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Doch nicht alle unterstützen die Einschränkungen. Wirte hinterfragen die Notwendigkeit eines solchen Index, und manche Musiker zögern nun, in Deutschland aufzutreten. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, verglich die Situation gar mit der DDR: Selbst das SED-Regime habe von seiner Band nie verlangt, Songtexte zu ändern. Peter Wackel, dessen Hit Joana die Zeile Du geile Sau enthält, zeigte sich überrascht von der Empörung, räumte aber ein, dass viele Künstler unter diesen Auflagen „keine Lust mehr“ hätten, im Land zu spielen.

Kritiker spotten indes mit dem Spruch: „Ich bin der Herr, dein spießiger Nachbar!“ – ein Seitenhieb auf das, was sie als übertriebene Moralkeule wahrnehmen.

Das Bergkirchweih, das jährlich fast eine Million Besucher anzieht, wird mit den aktualisierten Richtlinien stattfinden. Die Schwarze Liste bleibt vorerst bestehen, auch wenn der Widerstand von Künstlern und Gastwirten anhält. Ob vor Festbeginn weitere Anpassungen erfolgen, steht noch nicht fest.

Quelle