Deutsche Industrie im Umbruch: Warum die Angst vor Deindustrialisierung übertrieben ist
Jan StahrDeutsche Industrie im Umbruch: Warum die Angst vor Deindustrialisierung übertrieben ist
Deutsche Industrie im Wandel – doch die Angst vor Deindustrialisierung ist übertrieben
Drei große Studien des ifo Instituts, des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und der Bertelsmann Stiftung zeigen: Die deutsche Industrie passt sich an, statt zu schrumpfen. Experten sprechen von einem tiefgreifenden Strukturwandel – nicht von einem Niedergang.
Zwar bleiben Herausforderungen – besonders bei den Autoexporten –, doch der Großteil des verarbeitenden Gewerbes wird mittlerweile von wachstumsstarken Produkten getragen. In den vergangenen fünf Jahren stammten 76 Prozent der Bruttowertschöpfung des Sektors aus Branchen mit stetig steigender Nachfrage. Oliver Falck vom ifo Institut nannte diese Entwicklungen "absolut positive Trends". Selbst in traditionell schwächeren Bereichen wie der Metallverarbeitung oder der Chemie dominieren inzwischen wachstumsorientierte Segmente.
Doch die Automobilindustrie steht unter Druck. Die deutschen Pkw-Exporte nach China haben sich seit 2020 halbiert – vor allem wegen der Überkapazitäten Chinas bei Elektroautos und des globalen Vorstoßes heimischer Hersteller wie BYD. Chinesische Unternehmen expandieren aggressiv und eröffnen Fabriken in Usbekistan, Thailand, Brasilien, Ungarn und der Türkei. Gleichzeitig gerät Deutschlands Handelsüberschuss – nach wie vor stark abhängig vom Automobilsektor – unter Druck, da die chinesischen Exportpreise fallen.
Die Studien verdeutlichen ein grundlegendes Problem: Zwar setzen die meisten Industrieunternehmen mittlerweile auf wachstumsstarke Produkte, doch Deutschland tut sich schwer mit dem vollständigen Wandel. Die Politik wird aufgefordert, Innovation zu fördern statt veraltete Strukturen zu schützen. Ein vorgeschlagenes Modell sieht vor, hochwertige Produkte im Inland zu entwickeln und im Ausland zu produzieren – gestützt durch stärkere Kapitalmärkte, Steueranreize und flexiblere Regulierungen.
Mit fast 900.000 Arbeitsplätzen allein im Automobilsektor ist der Anpassungsdruck groß. Der globale Handelsüberschuss bei Waren erreichte 2024 zwar 993 Milliarden Dollar, doch Deutschlands Anteil wird zunehmend durch verschärften Wettbewerb bedroht.
Die Ergebnisse zeigen: Die deutsche Industrie ist nicht im Niedergang, sondern im Umbruch. Wachstumsbranchen prägen mittlerweile den Großteil der industriellen Produktion – auch wenn die Automobilindustrie eine Schwachstelle bleibt. Entscheidend wird sein, ob es der Politik gelingt, Innovation zu fördern und Unternehmen bei der Anpassung an die neue globale Konkurrenz zu unterstützen.






