02 April 2026, 22:21

EMAF zeigt umstrittenen Film trotz Antisemitismus-Vorwürfen gegen Künstlerin Al-Sharif

Plakat für ein Münchner Festival mit einem Bild einer Frau mit Menschen und Bäumen drumherum und Text.

EMAF zeigt umstrittenen Film trotz Antisemitismus-Vorwürfen gegen Künstlerin Al-Sharif

Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück hat mit der Aufnahme eines Kurzfilms der palästinensischen Künstlerin Larissa Sansour, bekannt unter dem Pseudonym Al-Sharif, eine Debatte ausgelöst. Ihr Werk "Morning Circle" wird trotz Vorwürfe des Antisemitismus in Zusammenhang mit ihren Aktivitäten in sozialen Medien gezeigt. Die Entscheidung hat zu öffentlichen Auseinandersetzungen zwischen den Festivalverantwortlichen, lokalen Politikern und Stadtvertretern geführt.

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Im Mittelpunkt der Kontroverse stehen nicht Al-Sharifs künstlerische Arbeiten selbst, sondern ihre politischen Äußerungen im Internet. Kritiker verweisen auf ihre angebliche Unterstützung der BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen), die sich gegen Israel richtet und selbst mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert ist. Die 2005 gegründete Bewegung hat vor allem in progressiven und akademischen Kreisen Anhänger gefunden, ist jedoch in mehreren Ländern – darunter Österreich, wo ihre Symbole in der Öffentlichkeit verboten sind – verboten oder eingeschränkt.

Der Osnabrücker Kulturdezernent Wolfgang Beckermann erklärte, er hätte es vorgezogen, Al-Sharifs Beitrag aus dem Programm zu nehmen, um mögliche antisemitische Narrative zu vermeiden. Die Stadtverwaltung sowie Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) distanzierten sich zwar von der Auswahl des Festivals, betonten aber dessen programmatische Unabhängigkeit. Die künstlerische Leiterin des EMAF, Katrin Mundt, sieht in der Situation hingegen einen Prüfstein für die Abwägung zwischen künstlerischer Freiheit und Verantwortung.

Das Festival verteidigt seine Entscheidung und bezeichnet Al-Sharifs Social-Media-Posts – darunter ein Halloween-Foto mit einem roten Dreieck – als mehrdeutig und interpretationsoffen. Das EMAF hat in der Vergangenheit bereits mit palästinensischen Künstlern zusammengearbeitet, zeigt in seinen Programmen aber auch jüdische und israelische Perspektiven. Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken, warnte davor, palästinensische Stimmen unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung zum Schweigen zu bringen.

Al-Sharifs Film bleibt Teil des EMAF-Programms, doch die Entscheidung des Festivals hat die Gräben in der Diskussion über Meinungsfreiheit und politische Botschaften vertieft. Während sich die Stadtspitze distanziert, pochen die Veranstalter auf die Bedeutung eines offenen Dialogs. Die Debatte spiegelt die größeren Spannungen wider, die sich um künstlerische Freiheit, Aktivismus und die Grenzen des sagbaren Diskurses ranken.

Quelle