EU-Reform des Emissionshandels: Stabilere CO₂-Preise und mehr Unterstützung für die Industrie
Albertine StollEU-Reform des Emissionshandels: Stabilere CO₂-Preise und mehr Unterstützung für die Industrie
Die Europäische Union steht vor einer Reform ihres Emissionshandelsystems (EU-ETS), mit zentralen Änderungen, die darauf abzielen, die CO₂-Preise zu stabilisieren und energieintensive Industrien zu unterstützen. Am Mittwoch wird die Europäische Kommission ihre ersten Vorschläge vorlegen, darunter dauerhafte Anpassungen bei der Verwaltung von CO₂-Zertifikaten.
Eine wichtige Neuerung betrifft die Marktstabilitätsreserve (MSR), in deren Rahmen die EU die Streichung von Zertifikaten dauerhaft abschaffen wird. Dieser Schritt soll die Preissicherheit auf dem CO₂-Markt verbessern. Zudem wird die Kommission die Referenzwerte anpassen, um die kostenlose Zuteilung von CO₂-Zertifikaten für Branchen wie die Chemieindustrie zu erhöhen, die seit Langem mehr Unterstützung fordern.
Vertreter der chemischen Industrie halten die Maßnahmen jedoch für unzureichend. Sie drängen auf weitere Schutzmaßnahmen, darunter die Ausnahme von Ammoniak – einem wichtigen Rohstoff in der chemischen Produktion – vom CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM). Zudem fordern sie stärkere Absicherungen für nachgelagerte Produkte in der Wertschöpfungskette.
Die Debatte um die ETS-Reform hat prominente Stimmen auf den Plan gerufen. Evonik-Chef Christian Kullmann, der zuvor entweder eine Abschaffung oder eine radikale Reform des ETS gefordert hatte, veröffentlichte kürzlich gemeinsam mit dem EU-Abgeordneten Peter Liese einen Gastbeitrag im Handelsblatt. Darin plädieren sie für pragmatische Lösungen und kluge Kompromisse, um Umweltziele mit industrieller Wettbewerbsfähigkeit in Einklang zu bringen.
Die vorgeschlagenen Reformen markieren einen Wandel in der Art und Weise, wie die EU die CO₂-Bepreisung und die Industrieförderung steuert. Durch den Verzicht auf den Streichungsmechanismus für Zertifikate und die Anpassung der Referenzwerte strebt die Kommission ein vorhersehbareres System an. Dennoch fordern Industrieverbände weiterhin umfassendere Schutzmaßnahmen, während die Reformen Gestalt annehmen.






