Ex-Ministerpräsident Müller fordert neues AfD-Konzept der etablierten Parteien
Lissi StiebitzEx-Ministerpräsident Müller fordert neues AfD-Konzept der etablierten Parteien
Peter Müller, ehemaliger Ministerpräsident des Saarlandes und pensionierter Richter am Bundesverfassungsgericht, hat sich gegen die politische Ausgrenzung der rechtspopulistischen AfD ausgesprochen. In einem jüngsten Statement forderte er die etablierten Parteien auf, ihren Umgang mit der Partei zu überdenken – andernfalls riskierten sie, deren Einfluss weiter zu stärken.
Müller leitete das Saarland von 1999 bis 2011 als Regierungschef, bevor er bis 2023 dem Bundesverfassungsgericht angehörte. Seine Äußerungen fallen in eine Zeit, in der die Debatte über den Umgang mit dem Aufstieg der AfD die deutsche Politik weiterhin spaltet.
Der frühere Richter sprach sich gegen die sogenannte Brandmauer gegenüber der AfD aus und argumentierte, diese halte in der Praxis nicht mehr stand. Er verwies auf Fälle, in denen andere Parteien im Parlament bereits gemeinsam mit der AfD abgestimmt hätten – ein Zeichen dafür, dass die Ablehnungsstrategie bröckelt. Zudem kritisierte Müller Versuche, die Partei verbieten zu lassen, und warnte, ein solches Verfahren würde der AfD nur die Möglichkeit geben, sich als Opfer zu inszenieren.
Er forderte die demokratischen Parteien auf, die AfD in parlamentarischen Debatten nicht länger auszuschließen. Als Beispiel nannte er CDU und SPD in Rheinland-Pfalz, wo Ausgrenzungstaktiken nach hinten losgegangen seien. Stattdessen sollten sich die etablierten Kräfte darauf konzentrieren, in der Sachpolitik zu überzeugen – insbesondere in den Bereichen Migration und Sicherheit, wo die AfD durch die von anderen gelassenen Lücken an Zuspruch gewonnen habe.
Obwohl Müller formelle Koalitionen mit der AfD ausschloss, warnte er davor, Positionen allein deshalb zu meiden, weil die Rechtspopulisten sie unterstützen. Er verwies auf jüngste Rückschläge rechtspopulistischer Führungspersönlichkeiten in Europa wie Viktor Orbán und Geert Wilders. Doch während diese an Einfluss verlören, gewinne die AfD in Deutschland weiter an Fahrt – ein Zeichen dafür, dass hierzulande eine andere Strategie nötig sei.
Müllers Aussagen markieren eine Wende in der Debatte über die Rolle der AfD in der deutschen Politik. Er betont, dass Ignoranz oder Unterdrückung gescheitert seien – die etablierten Parteien müssten nun durch überzeugendere Politik der Anziehungskraft der AfD begegnen.
Die Intervention des früheren Richters erhöht den Druck auf die demokratischen Kräfte, ihre Taktik zu überdenken. Ohne Kurswechsel, so seine Warnung, könnte die AfD weiterhin an Einfluss gewinnen – einfach weil die anderen keine überzeugenden Alternativen bieten.






