Gleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsende Feindseligkeit und Budgetkürzungen
Lissi StiebitzGleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsende Feindseligkeit und Budgetkürzungen
Gleichstellungsbeauftragte in Deutschland sehen sich wachsender Feindseligkeit ausgesetzt
In Deutschland nehmen antifeministische Angriffe zu – und damit auch die Bedrohungen gegen Gleichstellungsbeauftragte. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass mehr als 60 Prozent dieser Fachkräfte in den vergangenen zwei Jahren gezielte Aggressionen erlebt haben. Die Probleme beschränken sich dabei nicht auf verbale Attacken: Vandalismus und Kürzungen der finanziellen Mittel verschärfen den Druck zusätzlich.
Zu den jüngsten Vorfällen gehört die Beschädigung oranger Bänke, die im Rahmen der UN-Kampagne Orange the World als Symbol gegen geschlechtsspezifische Gewalt aufgestellt wurden. In Osnabrück, Wiesbaden und Annweiler wurden solche Bänke zerstört – die Meldungen über derartige Angriffe häufen sich.
Eine Befragung unter 350 Gleichstellungsbeauftragten ergab, dass 40 Prozent seit 2022 mehrfach Ziel antifeministischer Attacken waren. Eine Beauftragte aus Baden-Württemberg berichtete, wie rechtsextreme Aktivist:innen nach einem öffentlichen Statement zu einem umstrittenen Thema vor ihrer Haustür aufgetaucht seien. Die Meldestelle Antifeminismus verzeichnete allein 2024 bereits 558 Vorfälle – im Schnitt zehn pro Woche.
Judith Rahner, Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, warnte, dass Antifeminismus längst kein Phänomen der extremen Rechten mehr sei. Die Ideologie finde zunehmend Verbreitung und gefährde Errungenschaften in den Bereichen Frauen- und Queerrechte. Unterdessen stand der BAG-Kongress in Lübeck unter dem Motto Kurs halten in antifeministischen Gewässern – während die Mittel für Gleichstellungsprogramme immer weiter gekürzt werden.
Trotz der Herausforderungen reagieren die Beauftragten mit stärkerer Vernetzung. Bündnisse zwischen lokalen und regionalen Initiativen sollen die Gegenwehr organisieren und die eigene Arbeit schützen. Angesichts der zunehmenden Professionalisierung antifeministischer Bewegungen setzen Gleichstellungsbeauftragte auf kollektives Handeln, um sich gegen Feindseligkeit und Budgetkürzungen zur Wehr zu setzen. Ihre Arbeit bleibt entscheidend – denn die Zahl der Vorfälle steigt bundesweit weiter an.






