Guido Westerwelle: Vom politischen Popstar zum tragischen Abschied
Lissi StiebitzVom 'Jungspund' zum Staatsmann - Guido Westerwelle: Vom politischen Popstar zum tragischen Abschied
Guido Westerwelle, eine schillernde und oft umstrittene Persönlichkeit der deutschen Politik, hinterließ in der Freien Demokratischen Partei (FDP) unauslöschliche Spuren. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er 2009, als die Partei ihr bestes Wahlergebnis aller Zeiten erzielte – doch seine späteren Jahre wurden von Krankheit und politischen Rückschlägen überschattet. Nach seinem Rückzug aus der Politik veröffentlichte er 2015 eine Autobiografie, in der er sein Leben und seine Kämpfe reflektierte.
Erstmals auf sich aufmerksam machte Westerwelle, als er den Jugendverband der FDP, die Jungliberalen, neu prägte. Sein scharfer politischer Instinkt weckte das Interesse des Parteiveteranen Hans-Dietrich Genscher. Bekannt für seine furchtlosen, mitunter schroffen Äußerungen, setzte er auf unkonventionelle Methoden – so trat er 2000 sogar in der Reality-Show Big Brother auf. Sein extravaganter Stil brachte ihm den Spitznamen "politischer Popstar" ein und steigerte die Sichtbarkeit der FDP.
2009 führte er die FDP unter seiner Führung zu 14,56 Prozent der Stimmen – dem besten Bundestagswahlergebnis der Parteigeschichte. Doch sein populistischer Ansatz zog auch Kritik auf sich. Als Außenminister von 2009 bis 2013 scheiterte er an zentralen Vorhaben wie der Steuerreform. 2013 verfehlte die FDP die Fünf-Prozent-Hürde und schied aus dem Bundestag aus.
Westerwelle lebte offen homosexuell in einer Zeit, in der Vorurteile gegen schwule Männer noch stark verbreitet waren. Trotz Diskriminierungserfahrungen schrieb er später, dass ihm die "zurückgekehrte Liebe" das größte Glück gebracht habe. Im Juni 2014 wurde bei ihm Leukämie diagnostiziert. Mit Disziplin kämpfte er gegen die Krankheit, ohne sich jemals in Selbstmitleid zu flüchten – auch wenn sein Biograf ihn einmal völlig erschöpft erlebte. Die ARD-Dokumentation Westerwelle aus dem Jahr 2016 gewährte seltene Einblicke in seine privaten Kämpfe.
In seiner 2015 erschienenen Autobiografie Zwischen zwei Leben äußerte er die Hoffnung auf einen Neuanfang nach der Politik. Doch sein Kampf gegen den Krebs endete bereits im folgenden Jahr. Westerwelle starb 2016 mit nur 54 Jahren.
Sein Erbe bleibt mit politischen Höhenflügen und den darauffolgenden Kontroversen verbunden. Seine mutigen Strategien prägten das Image der FDP, doch seine späten Jahre waren von Krankheit und dem Niedergang der Partei geprägt. Die Dokumentation und seine Memoiren zeigen einen Mann, der sowohl im öffentlichen als auch im privaten Leben mit großer Intensität lebte.






