"Merz kann mich mal!" – Wie ein Studentenspruch die Meinungsfreiheit auf die Probe stellt
Hans Jürgen Zobel"Merz kann mich mal!" – Wie ein Studentenspruch die Meinungsfreiheit auf die Probe stellt
Ein Studentenspruch aus dem Jahr 2024 hat eine juristische Auseinandersetzung und eine Debatte über Meinungsfreiheit ausgelöst. Der Ausruf "Merz kann mich mal am Arsch lecken!" tauchte erstmals bei einer Anti-Wehrpflicht-Demonstration in Berlin im März jenes Jahres auf. Seither hat er sich weltweit verbreitet und ist in Liedern, Memes und bei Kundgebungen von London bis New York zu finden.
Das Motto prangte zunächst auf einem Transparent, das die Studentengruppe EB 104 an der Technischen Universität Berlin aufgehängt hatte. Die Polizei entfernte es zwar innerhalb von 15 Stunden, doch bis dahin hatte es bereits online für Aufsehen gesorgt. Die Gruppe, die Lernräume und Campus-Veranstaltungen organisiert, bezeichnete die Entfernung als "höchst problematisch" und argumentierte, sie gefährde die studentische Selbstverwaltung und die freie Meinungsäußerung.
Bis April 2026 hatte sich der Spruch in Städten wie Paris und München ausgebreitet, oft bei Demonstrationen gegen die AfD oder für den Klimaschutz. Aktivist:innen von Fridays for Future und Letzte Generation griffen ihn auf, kombinierten ihn mit Eierwurf-Aktionen und viralen TikTok-Challenges. Die Behörden sahen das jedoch anders.
Ein 18-jähriger Student, der als Praktikant den Spruch erstmals verwendet hatte, steht nun unter strafrechtlicher Untersuchung. Die Staatsanwaltschaft prüft mögliche Anklagepunkte wegen übler Nachrede und Beleidigung einer Person des öffentlichen Lebens. Nach deutschem Recht umfasst Verleumdung die Verbreitung unwahrer Behauptungen, die den Ruf einer Person schädigen. Kritiker:innen warnen, der Fall setze ein gefährliches Präzedenz für die Meinungsfreiheit.
Der Streit begann während Protesten gegen Friedrich Merz und die CDU. Was als lokale Form des Widerstands begann, ist längst zu einem globalen Symbol des Protests geworden. Das Verfahren läuft noch – viele sehen darin einen direkten Angriff auf die freie Meinungsäußerung. Die rasante Verbreitung des Spruchs zeigt, wie Student:innenaktivismus Grenzen und Plattformen überwinden kann. Unterdessen bleibt die Frage ungelöst, wo Verleumdung endet und legitimer Protest beginnt.






