Mini-Kraftwerke im Rhein: Wie Energyfish 470 Haushalte mit Strom versorgen soll
Lissi StiebitzMini-Kraftwerke im Rhein: Wie Energyfish 470 Haushalte mit Strom versorgen soll
Ein neues hydrokinetisches Turbinensystem soll Haushalte am Rhein mit Strom versorgen
Die Energyfish des Unternehmens Energyminer ist ein kleines, schwimmendes Gerät, das in Flussströmungen verankert wird und kontinuierlich Strom erzeugen soll. Die erste groß angelegte Installation dieser Art entsteht derzeit in St. Goar am Rhein.
Jede Energyfish-Einheit misst etwa 2,8 Meter in der Länge, 2,4 Meter in der Breite und 1,4 Meter in der Höhe bei einem Gewicht von rund 80 Kilogramm. Sie kann bis zu 6 Kilowatt Leistung erzeugen und jährlich etwa 15 Megawattstunden pro Einheit liefern. Ein Schwarm aus 100 Einheiten könnte jährlich rund 1,5 Gigawattstunden produzieren – genug, um etwa 470 Haushalte zu versorgen.
Das System ist für den ganzjährigen Betrieb ausgelegt, widerstandsfähig gegen Hochwasser und soll Fische nicht gefährden. Energyminer gibt an, dass die Wartung minimal ausfällt und die Stromerzeugung rund um die Uhr möglich ist. Die gestützten Stromgestehungskosten werden auf etwa 0,08 Euro pro Kilowattstunde geschätzt, bei einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von mindestens 8 Prozent über eine Projektlaufzeit von 20 Jahren.
In St. Goar werden derzeit 124 Energyfish-Einheiten installiert, die das erste Schwarmkraftwerk dieser Größe bilden. Der Installationsprozess – inklusive Genehmigungen, Flussbettvorbereitung, Verankerung, Verkabelung, Landausrüstung und Netzanschluss – ermöglicht die Inbetriebnahme von etwa zehn Einheiten in rund drei Tagen. Trotz des Umfangs bleibt die Gesamtleistung mit einigen hundert Kilowatt im Durchschnitt eher bescheiden, was es zu einer Form der dezentralen Energieerzeugung macht.
Die Technologie könnte besonders für abgelegene, dieselabhängige Gemeinden interessant sein. In netzgebundenen Regionen muss sie sich jedoch gegen bestehende saubere Energiealternativen behaupten. Flüsse mit ihren saisonalen Schwankungen und natürlichen Strömungsunterschieden stellen zwar eine Herausforderung dar, doch das System ist darauf ausgelegt, sich diesen Bedingungen anzupassen.
Das Projekt in St. Goar markiert einen wichtigen Schritt für die kleinteilige hydrokinetische Energiegewinnung. Der 124 Einheiten starke Schwarm wird Strom ins lokale Netz einspeisen und das Potenzial dieser Technologie demonstrieren. Ihre Kosteneffizienz und Zuverlässigkeit könnten künftige Energielösungen für geeignete Standorte prägen.
