25 March 2026, 06:22

Neslihan Arols feministische Revolution des osmanischen Erzähltheaters in Berlin

Mann in weißem Hemd und braunen Hosen, der in ein Mikrofon spricht, vor einem pinken 'Berlin as Fuck'-Plakat auf der Bühne.

Neslihan Arols feministische Revolution des osmanischen Erzähltheaters in Berlin

Neslihan Arol lässt im Berliner Bavul Café eine traditionelle osmanische Kunstform neu aufleben. In ihrem Soloauftritt holt sie das Meddah, ein jahrhundertealtes Erzähltheater, in die Gegenwart – und verleiht ihm dabei einen mutigen, feministischen Dreiklang. Ihre Performance verbindet Humor, Politik und mehrere Sprachen zu einer lebendigen Mischung aus Clownerie und Stand-up.

Arols Weg auf die Bühne war alles andere als geradlinig. Ursprünglich studierte sie Chemieingenieurwesen – auf Rat ihres Vaters, der ihr von der Schauspielerei abriet. Doch ihre Leidenschaft für die Bühne trieb sie dazu, einen Master in Schauspiel zu absolvieren. Dort schrieb sie ihre erste große Arbeit über Clowns – aus einer feministischen Perspektive.

Ihre Verbindung zum Meddah begann 2014 in Berlin, als sie mit der Entwicklung einer Show startete, die acht Jahre bis zur Vollendung brauchen sollte. Traditionell eine von Männern dominierte Kunstform, besteht das Meddah aus einem einzelnen Darsteller, der mit Requisiten, Stimmen und Gesten Geschichten spinnt. Arol bricht dieses Muster, indem sie die Erzählungen aus weiblicher Sicht präsentiert – und den Clown als Werkzeug nutzt, um Konventionen zu durchbrechen und Machtverhältnisse bloßzulegen.

Auf der Bühne arbeitet sie mit einfachen, doch symbolträchtigen Gegenständen. Ein Teelicht steht für die Menschlichkeit der Meddah-Erzähler und ersetzt eine alte Gaslampe, die sie einst verwendete – bis ein Beinahe-Unfall sie zum Wechsel auf die sicherere Kerze zwang. Ihre Show wechselt zwischen Deutsch, Türkisch und Englisch, mit Figuren, die so komisch wie politisch sind.

Die Vorstellung endet, wie sie begann: in stiller Vertrautheit. Arol bläst die Kerze aus, verabschiedet sich vom Publikum und geht mit dem Versprechen, dass noch mehr Geschichten folgen werden.

Arols Meddah-Auftritt besticht durch die Verbindung von Tradition und Rebellion. Indem sie eine männlich geprägte Kunstform zurückerobert und mit feministischen Clown-Elementen anreichert, schafft sie etwas Seltenes im zeitgenössischen Theater. Die kerzenbeleuchteten Aufführungen im Bavul Café ziehen weiterhin Publikum an und halten so eine uralte Praxis in einem modernen, mehrsprachigen Rahmen am Leben.

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