07 April 2026, 12:26

Neue deutsche Kulturerbe-Traditionen sorgen für Debatten und Überraschungen

Schwarzes und weißes Foto eines jungen Mannes in Anzug und Schleife, identifiziert als F. Brandseph Stuttgart, aufgenommen in den frühen 1900er Jahren, befestigt an einer weißen Oberfläche mit Text unten.

Neue deutsche Kulturerbe-Traditionen sorgen für Debatten und Überraschungen

Deutschland hat neue Traditionen in seine Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Zu den neuesten Ergänzungen zählen die Schaustellerkultur, die Herrenschneiderei sowie die Fischereitraditionen der Ostsee. Doch einige bekannte Aspekte des deutschen Alltags – wie der Döner Kebab oder die SPD-Bratwurst – wurden nicht berücksichtigt.

Die Entscheidungen wurden von Staatsminister für Kultur Wolfram Weimer und der Deutschen UNESCO-Kommission bekannt gegeben. Sie haben bereits Debatten unter Politikern und Kulturschaffenden ausgelöst.

Schausteller, bekannt für ihre Wanderfeste und Fahrgeschäfte, erhalten nun offizielle Anerkennung. Ihre langjährige Rolle bei Volksfesten wurde als zentraler Bestandteil der deutschen kulturellen Identität hervorgehoben. Ebenfalls aufgenommen wurde das Handwerk der Herrenschneiderei – mit seinen präzisen Techniken und regionalen Stilen.

Weitere Neuzugänge sind die Fischereitraditionen der Ostsee, das Straßenfußball auf dem Bolzplatz sowie die St.-Martins-Umzüge im Rheinland. Diese Bräuche wurden wegen ihrer tiefen Verwurzelung in den lokalen Gemeinschaften ausgewählt.

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Doch einige Auslassungen sorgten für Unmut. Der Döner Kebab, ein fester Bestandteil der deutschen Straßenküche, erhielt keine Anerkennung. Ebensowenig wie linksalternative Buchhandlungen oder die Bratwurst vom Sommerfest der SPD. Kulturminister aus acht SPD-geführten Bundesländern protestierten gegen die Streichungen und argumentierten, diese verdienten Schutz.

Weimers strenge Haltung bei der Kulturförderung hatte bereits früher für Aufmerksamkeit gesorgt. So strich er zuvor ein Übersetzungsprojekt für palästinensische Autor:innen aus dem Berliner Hauptstadtkulturfonds. Seine jüngsten Entscheidungen folgen derselben konsequenten Linie.

Kritiker hinterfragten zudem, ob die deutsche Herrenschneiderei tatsächlich herausragender sei als die Traditionen in Frankreich, Italien oder Großbritannien. Dennoch fand das Handwerk Eingang in die endgültige Liste.

Die aktualisierte Liste umfasst nun 140 anerkannte Traditionen. Die Schaustellerkultur, die Schneiderei und regionale Feste gesellen sich zu älteren Einträgen wie dem Bierbrauen und den Karnevalsfeiern. Die Auswahl spiegelt Deutschlands Bemühungen wider, seine vielfältigen kulturellen Praktiken zu bewahren – und löst zugleich weiterhin Diskussionen darüber aus, was offiziellen Status verdient.

Quelle