18 June 2026, 12:22

"Ringel, Ringel, Reihe": Warum der Kinderreim keine Pest-Bezüge hat

Die wahre Geschichte hinter dem klassischen Kinderreim 'Ring Around The Rosie'

"Ringel, Ringel, Reihe": Warum der Kinderreim keine Pest-Bezüge hat

„Ringel, Ringel, Reihe“ – ein Kinderreim mit rätselhafter Herkunft

Der Kinderreim „Ringel, Ringel, Reihe“ (im Englischen „Ring Around the Rosie“) gibt seit langem Rätsel über seine Ursprünge auf. Viele vermuten einen Bezug zur Großen Pest oder zum Schwarzen Tod, doch Experten betonen inzwischen, dass es sich schlicht um ein Kinderspiel gehandelt habe. Erstmals schriftlich belegt wurde der Reim 1881 im Englischen – Jahrhunderte nach den Ereignissen, mit denen er oft in Verbindung gebracht wird.

Die am weitesten anerkannte Erklärung besagt, dass der Reim als Sing- und Bewegungsspiel für Kinder im Deutschland des 18. Jahrhunderts entstand. Später verbreitete er sich nach England, wo er in sogenannten „play-parties“ beliebt wurde – einer Art tanzähnlichen Gesellschaftsspielen ohne Musik, die im 19. Jahrhundert vor allem unter Jugendlichen verbreitet waren.

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Da es verschiedene Versionen des Textes gibt, lässt sich seine genaue Bedeutung nur schwer zurückverfolgen. Einige Theorien deuten die Zeilen als Beschreibung von Pestsymptomen: „Rosie“ stehe demnach für den Ausschlag, „Täschchen voll Blumen“ (im Original „a pocket full of posies“) für Kräuter zum Vertreiben der Krankheit. Doch belastbare Belege für diesen Zusammenhang fehlen. Die Idee, der Reim beziehe sich auf die Pest, setzte sich erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts durch – lange nach seiner ersten Veröffentlichung.

Auch andere Deutungen, wie die Zeile „Asche, Asche!“, die angeblich auf Leichenverbrennungen anspiele, entbehren historischer Grundlage. In England war Einäscherung bis in die 1880er-Jahre verboten, und in der frühesten gedruckten Fassung des Reims taucht dieser Vers überhaupt nicht auf. Forscher gehen stattdessen davon aus, dass das Lied schlicht der Unterhaltung diente – ohne verborgene Botschaften in seinen Worten.

Die vagen Formulierungen des Reims lassen zwar Raum für Spekulationen, doch die meisten Hinweise sprechen für einen harmlosen Ursprung. Wahrscheinlich handelte es sich um ein einfaches, verspieltes Kinderspiel – und nicht um einen düsteren Verweis auf historische Tragödien. Das Fehlen konkreter Verbindungen zur Pest oder anderen finsteren Ereignissen untermauert diese Sicht.

Quelle