"Scientology-Speedrun": TikTok-Trend erreicht Berlin und sorgt für Polizeieinsatz
Albertine Stoll"Scientology-Speedrun": TikTok-Trend erreicht Berlin und sorgt für Polizeieinsatz
TikTok-Trend „Scientology-Speedrun“ erreicht Deutschland
Letzte Woche drangen mehrere junge Menschen im Rahmen eines TikTok-Trends in ein Scientology-Zentrum im Berliner Bezirk Charlottenburg ein. Bei der als Scientology-Speedrun bekannten Challenge geht es darum, so weit wie möglich in das Gebäude vorzudringen, während Sicherheitskräfte wie Hindernisse in einem Videospiel behandelt werden.
Die Aktion wurde von der lokalen Bloggerin @larahertha organisiert, die den Vorstoß per Livestream übertrug. Die Polizei griff ein und warnte sie vor möglichen Hausfriedensbruch-Anzeigen, nachdem sie mit einer Alufolie-Hut und einem Schild mit der Aufschrift „Wir kommen in Frieden“ in die Charlottenburger Kirche eingedrungen war.
Der Trend stammt aus den USA, wo Teilnehmer sich beim Stürmen von Scientology-Gebäuden filmen. Jede Etage gilt als „Level“, Sicherheitsmitarbeiter werden zu „NPCs“ (nicht spielbaren Charakteren), die es zu umgehen gilt. In den USA hat die Welle bereits dazu geführt, dass einige Niederlassungen ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft haben.
In Deutschland fand die erste Aktion dieser Art im Scientology-Zentrum an der Otto-Suhr-Allee statt. Die Bloggerin hinter dem Berliner Vorstoß behauptete, ihre Absichten seien harmlos, fast schon spielerisch gewesen. Die Polizei sah das anders und drohte mit rechtlichen Konsequenzen wegen unerlaubten Zutritts.
Scientology zählt in Deutschland etwa 3.600 Mitglieder und verfolgt das Ziel, seine Lehren zu verbreiten und „Clears“ zu schaffen – Menschen, die nach eigener Definition spirituell vollendet sind. Die umstrittene Organisation ist aufgrund ihres Rufs häufig Ziel von Online-Streichen, obwohl ihre Mitgliederzahl mit der weniger polarisierender Verbände wie dem Verband der Konferenzdolmetscher vergleichbar ist.
Trotz der Warnungen zeigt der Trend keine Anzeichen einer Abflachung. In den Kommentaren unter dem Post der Bloggerin wird bereits das nächste Ziel diskutiert: der Bundestag.
Der Berliner Vorfall markiert eine weitere Zuspitzung des viralen Trends, der Protest, Humor und Hausfriedensbruch verbindet. Deutsche Behörden könnten nun mit weiteren Versuchen konfrontiert werden, während Teilnehmer nach neuen Schauplätzen suchen. Scientology-Zentren, die in den USA bereits in Alarmbereitschaft sind, dürften als Reaktion ihre Sicherheitsmaßnahmen weiter anpassen.






