02 April 2026, 16:24

Theater hinter Gittern: Wie Inhaftierte durch Schauspiel ihr Leben verändern

Offenes Buch mit dem Titel "The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts" und sichtbarem Text und einem Logo auf der Seite.

Theater hinter Gittern: Wie Inhaftierte durch Schauspiel ihr Leben verändern

Ein einzigartiges Theaterprojekt in der Jugendstrafanstalt Wiesbaden sorgt erneut für Aufsehen – dank seiner eindringlichen Wirkung. Jedes Jahr wird dort eine neue Produktion auf die Bühne gebracht, und alle zehn Vorstellungen sind innerhalb weniger Tage ausverkauft. Das diesjährige Stück, DNA von Dennis Kelly, untersucht, wie Gruppendruck unter Jugendlichen in Gewalt umschlagen kann.

Das Projekt ist Teil eines umfassenderen Rehabilitationskonzepts, das Gefangenen helfen soll, sich durch die Förderung sozialer Verantwortung auf ein Leben nach der Entlassung vorzubereiten. Die Justizvollzugsanstalt verfügt sogar über eine eigene, fest installierte Studiobühne – die erste und einzige ihrer Art in Deutschland.

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Rund 80 Zuschauer füllten den Theaterraum der Anstalt, um die jungen Inhaftierten bei ihrer Aufführung zu erleben. Am Ende brandete lang anhaltender Applaus auf – ein Beweis für die harte Arbeit und die emotionale Tiefe des Ensembles.

Regisseur Matze Vogel wählte DNA wegen der schonungslosen Darstellung jugendlicher Gruppendynamiken aus. Die Themen des Stücks trafen bei den Darstellern auf besondere Resonanz, von denen viele im Theater eine Möglichkeit sehen, eigene Erlebnisse zu verarbeiten. Ein Schauspieler, der sich nur als J. vorstellt, beschreibt die Bühne als einen Ort, an dem er sich frei fühlt. Ein anderer, E., erklärt, dass ihn das Hineinschlüpfen in eine Rolle dabei unterstützt, die eigenen Gefühle besser zu verstehen.

Hinter den Kulissen gestaltet Nathalie Meyer seit einem Jahrzehnt die Kostüme für das Projekt. B., der für die Technik verantwortlich ist, arbeitet lieber im Hintergrund – er übernimmt Verantwortung, ohne im Rampenlicht zu stehen. Dank ihres gemeinsamen Engagements läuft die Produktion reibungslos.

Seit seiner Gründung im Jahr 2008 ist das Theaterprogramm zu einem zentralen Baustein der Resozialisierungsarbeit in der Anstalt geworden. Zwar gibt es keine genauen Zahlen zur Teilnahme über die Jahre, doch sein Einfluss auf die Inhaftierten ist unübersehbar.

Das Projekt beweist immer wieder: Theater kann mehr sein als Unterhaltung – es kann ein Werkzeug für Veränderung sein. Die Gefangenen gewinnen durch die Bühnenerfahrung Selbstvertrauen, emotionale Einsicht und ein neues Lebensgefühl. Für viele markiert das Erlebte einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zurück in ein Leben nach der Haft.

Quelle