Warum sich im deutschen Fußball weiterhin kein Profi als schwul outet
Lissi StiebitzWarum sich im deutschen Fußball weiterhin kein Profi als schwul outet
Männliche Homosexualität bleibt im deutschen Fußball ein Tabuthema. Obwohl Schätzungen zufolge etwa 45 schwule Spieler in den beiden höchsten Ligen aktiv sein könnten, hat sich bisher keiner öffentlich geoutet. Das Schweigen hält an – selbst sieben Jahre nach dem viel beachteten Coming-out von Thomas Hitzlsperger im Jahr 2014.
Der ehemalige Nationalspieler Hitzlsperger hatte vor einem Jahrzehnt seine Homosexualität bekannt gegeben. Seine Entscheidung sorgte wochenlang für Schlagzeilen und löste sogar eine Reaktion von Bundeskanzlerin Angela Merkel aus. Doch sein damaliger Trainer, Joachim Löw, hatte ihn einst davor gewarnt – aus Sorge vor negativen Reaktionen und dem zusätzlichen Druck auf dem Platz.
Seither hat sich kein weiterer Profispieler in Deutschland zu seiner Homosexualität bekannt. Die Atmosphäre in den Umkleidekabinen wird oft als feindselig beschrieben, mit „Locker-room-Humor“, der schwule Sportler ausgrenzen kann. Einige talentierte Spieler haben den Fußball sogar ganz aufgegeben, um dem Stress zu entgehen, ihre Identität verbergen oder Diskriminierung erleben zu müssen.
Marcus Urban, ein ehemaliger Spieler und heutiger Mentor, setzt sich für mehr Sichtbarkeit ein. 2024 organisierte er eine Kampagne zum Coming-Out-Day, um Offenheit zu fördern. Dennoch hält sich das Stigma um Homosexualität im Fußball hartnäckig – sie wird nach wie vor als Herausforderung für traditionelle Männlichkeitsbilder wahrgenommen.
Hitzlsperger arbeitet heute als Experte für die ARD und nutzt seine Plattform, um über den Fußball zu sprechen. Doch das Fehlen geouteter schwuler Spieler unterstreicht die anhaltenden Barrieren. Der Sport ringt weiterhin mit einer Kultur, die Spieler davon abhält, offen zu leben.






