09 February 2026, 20:56

Berlin löscht umstrittenes Video nach Vorwurf der Kirchenaustritts-Werbung

Eine alte Kirche an einer Straßecke, umgeben von Gebäuden, Straßeleitpfosten, Straßeleuchten, Schildern, Verkehrspfosten, Verkehrssignalen, Kraftfahrzeugen, Bühsen, Bäumen und einem bewölktem Himmel.

Berlin löscht umstrittenes Video nach Vorwurf der Kirchenaustritts-Werbung

Ein kurzes Instagram-Video der Stadt Berlin hat für Aufsehen gesorgt, nachdem es einen digitalen Prozess für den Kirchenaustritt beworben hatte. Der Clip, der eigentlich Online-Dienstleistungen bewerben sollte, zeigte eine junge Frau, die ihren Austritt aus der Kirche vollständig per Webcam erledigt. Kritiker warfen der Stadt Berlin vor, Austritte zu fördern – daraufhin wurde das Video gelöscht und eine offizielle Prüfung eingeleitet.

Ursprünglich zeigte das Video eine Frau, die im Standesamt Köln auf einen Termin für ihren Kirchenaustritt wartet. Über einen Online-Anruf erfährt sie, dass das gesamte Verfahren – inklusive Beglaubigung – digital abgewickelt werden kann. Der Prozess umfasste eine Webcam-Beratung, die Überprüfung des Personalausweises sowie eine Gebühr von 20 Euro, die per PayPal oder Kreditkarte gezahlt werden konnte. Ihre begeisterte Reaktion "Das mache ich" begleitet von einem Daumen hoch löste sofortige Kritik aus.

Kirchliche Vertreter verurteilten das Video als scheinbare Werbung für Kirchenaustritte. Beate Bäumler, Leiterin des Katholischen Büros Nordrhein-Westfalen, warf der Stadt eine einseitige Einflussnahme vor. Pfarrer Wilko Teifke, Kirchenbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland, mahnte mehr Sensibilität im Umgang mit solchen Verfahren an. Angesichts der Kritik zog Berlin das Video zurück, und die Landesregierung kündigte eine Überprüfung an.

Das von der SPD geführte Innenministerium wird die Angelegenheit nun klären, bevor weitere Schritte folgen. Vertreter der Stadt verteidigten den Clip und betonten, er habe lediglich neue digitale Services vorstellen sollen – nicht zu Austritten ermutigen.

Die Kontroverse wirft Fragen über Berlins Digitalisierungsbemühungen auf. Die Landesregierung wird prüfen, ob das Video gegen Neutralitätspflichten verstoßen hat, bevor über das weitere Vorgehen entschieden wird. Unterdessen hat die Stadt den Clip zurückgenommen und steht weiterhin in der Kritik kirchlicher Vertreter.