Hausärzte fordern Stopp für fragwürdige Online-Krankmeldungen ohne Arztkontakt
Albertine StollKrankschreibung: Hausärzte kritisieren Online-Krankschreibungen gegen Geld scharf - Hausärzte fordern Stopp für fragwürdige Online-Krankmeldungen ohne Arztkontakt
Hausärzte in Deutschland fordern schärfere Kontrollen für Online-Krankmeldungen
Hausärzte in Deutschland setzen sich für strengere Regulierungen bei digitalen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ein. Diese Dienstleistungen, die von kommerziellen Plattformen gegen Gebühr angeboten werden, ermöglichen es Patienten, nach einem kurzen Videogespräch eine Krankmeldung zu erhalten – selbst ohne vorherige Arzt-Patienten-Beziehung. Kritiker werfen dem System vor, es werde gewinnorientiert ausgenutzt, während eine wirksame Aufsicht fehle.
Markus Beier, Vorsitzender des Hausärzteverbands, fordert die Bundesregierung zum raschen Handeln auf. Er warnt, dass rechtliche Schlupflöcher es Anbietern erlauben, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen – die sogenannten AU-Bescheinigungen – für 20 bis 30 Euro zu bewerben, und zwar gezielt an unbekannte Patienten. Laut Beier werden diese Atteste oft ohne ausreichende medizinische Begründung ausgestellt und können nicht über die gesetzliche Krankengeldregelung abgerechnet werden.
Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach unterstützt die Forderung nach verschärften Auflagen. Seiner Ansicht nach sollten Online-Krankmeldungen nur von Haus- oder Fachärzten ausgestellt werden dürfen, die den Patienten bereits behandeln. Lauterbachs Position deckt sich mit Beiers Appell, Videokonsultationen denselben strengen Regeln zu unterwerfen wie telefonische Anamnesen – also keine Bescheinigungen für unbekannte Patienten auszustellen.
Die aggressive Vermarktung solcher Dienstleistungen stößt auf scharfe Kritik. Ärzte bezeichnen die Praxis als skrupellos und argumentieren, sie untergrabe eine seriöse medizinische Versorgung. Beier betont, dass gewinnorientierte Plattformen regulatorische Lücken ausnutzen und damit sowohl Patienten als auch das Gesundheitssystem gefährden.
Die Reformbestrebungen spiegeln wachsende Bedenken hinsichtlich der Glaubwürdigkeit digitaler Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen wider. Sollten die Vorschriften verschärft werden, könnten kommerzielle Anbieter künftig an der Ausstellung von Attesten ohne vorherigen Patientenkontakt gehindert werden. Aktuell dreht sich die Debatte darum, rechtliche Grauzonen zu schließen und sicherzustellen, dass medizinische Beurteilungen gründlich und verantwortungsvoll erfolgen.