Hettich-Mitarbeiter verzichten freiwillig auf 1.000 Euro mehr Lohn pro Jahr
Hans Jürgen ZobelHettich-Mitarbeiter verzichten freiwillig auf 1.000 Euro mehr Lohn pro Jahr
Tausende Mitarbeiter des Möbelzulieferers Hettich haben sich bereit erklärt, eine geplante Gehaltserhöhung zu verschieben. Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der das Unternehmen mit finanziellen Schwierigkeiten in einer ohnehin schwächelnden Branche kämpft. Jeder Beschäftigte hätte im kommenden Jahr über 1.000 Euro mehr erhalten sollen, doch die Erhöhung wurde nun um zwölf Monate aufgeschoben.
Die um 3,1 Prozent höhere Vergütung sollte ursprünglich zum 1. April 2023 in Kraft treten. Stattdessen stimmten mindestens 90 Prozent der Belegschaft für die Verschiebung. Das Unternehmen bestreitet, Druck auf die Mitarbeiter ausgeübt zu haben, und betont, die Entscheidung sei individuell getroffen worden.
Durch die Verzögerung dürften sich für Hettich Einsparungen in Millionenhöhe ergeben. Die Gewerkschaft IG Metall kritisiert den Schritt scharf und wirft dem Unternehmen vor, die Beschäftigten unzulässig unter Druck gesetzt zu haben.
Die finanziellen Probleme von Hettich spiegeln die allgemeine Krise der deutschen Möbelbeschläge-Branche wider. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre sind die Umsätze von 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf voraussichtlich rund 3,5 Milliarden Euro bis 2025 gesunken. Hohe Inflation, gestiegene Energiekosten infolge des Ukraine-Kriegs sowie Lieferkettenprobleme haben dazu beigetragen. Nachfrageflauten im Bau- und Immobiliensektor sowie die Konkurrenz durch günstigere Importe aus Asien verschärfen die Lage zusätzlich. Fachkräftemangel und strenge Nachhaltigkeitsauflagen setzen Unternehmen wie Hettich weiter zu.
Die verschobene Gehaltserhöhung hilft dem Unternehmen, in einem schwierigen Marktumfeld Kosten zu sparen. Da die Mehrheit der Belegschaft der Verzögerung zugestimmt hat, kann Hettich akute finanzielle Engpässe vermeiden. Die Kritik der Gewerkschaft deutet jedoch auf anhaltende Spannungen hin, wie es zu dieser Entscheidung gekommen ist.






