26 April 2026, 12:29

Kölner Stadtarchiv: Zehn Jahre nach dem Einsturz bleibt die Baustelle ein unvollendetes Debakel

Schwarzes und weißes Foto einer Stadt nach einer Katastrophe am 5. Juni 1892, das Gebäude, Strommäste, Rauch und einen Hügel im Hintergrund zeigt.

Kölner Stadtarchiv: Zehn Jahre nach dem Einsturz bleibt die Baustelle ein unvollendetes Debakel

Zehn Jahre nach dem katastrophalen Einsturz des Kölner Stadtarchivs ist die Baustelle noch immer unvollendet und von Problemen gezeichnet. Der Zusammenbruch im Jahr 2009 zerstörte 1,7 Millionen historische Dokumente und forderte zwei Menschenleben. Nun sind die Bauarbeiten wiederaufgenommen worden – doch Fragen zu Verzögerungen, Missmanagement und dem langen Weg bis zur Fertigstellung bleiben bestehen.

Der Einsturz ereignete sich innerhalb weniger Minuten. Am 3. März 2009 bildete sich ein unterirdischer Krater, als Grundwasser einströmte und das Archiv verschlang. Zwei junge Männer in benachbarten Häusern wurden lebendig begraben, als der Boden unter ihnen nachgab. Die Stelle verwandelte sich in eine wassergefüllte Ruine, so instabil, dass Arbeiter monatelang nur mit Booten vorankamen.

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Spätere Untersuchungen deckten ein chaotisches Baugeschehen auf: Tragbalken waren gestohlen, Protokolle gefälscht und die Aufsicht mangelhaft. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die keinerlei Erfahrung mit großflächigen Tunnelbauprojekten hatten, waren mit der Leitung betraut worden. Noch heute bewegen sich Bagger und Baucrews auf dem Gelände – doch welche konkreten Aufgaben sie erfüllen, bleibt für die Öffentlichkeit unklar.

Die Bergungsarbeiten zogen sich über Jahre hin. Einige Dokumente wurden erst 2010 aus dem Schlamm geborgen, und die Restaurierung wird voraussichtlich erst 2050 abgeschlossen sein. Der Krater wurde lediglich mit provisorischem Beton teilweise verfüllt, sodass die Fläche zu einer verwilderten Brache wurde. Jetzt wird dieser Beton entfernt, um endlich die Arbeiten an der Nord-Süd-U-Bahn-Linie fortzusetzen.

Die Zeitpläne des Projekts dehnen sich weiter in die Länge. Während der Einsturz selbst nur acht Minuten dauerte, soll die aktuelle Bauphase weitere acht Jahre in Anspruch nehmen.

Die Stelle bleibt eine Narbe im Herzen der Stadt, und schnelle Lösungen sind nicht in Sicht. Die Wiederherstellung der verlorenen Archive wird Jahrzehnte dauern, und die Fertigstellung der U-Bahn-Linie liegt noch in weiter Ferne. Vorerst bleibt der Ort, an dem Geschichte verschüttet wurde, ein Symbol für Verzögerungen und ungelöste Fragen.

Quelle