Neuer Betriebsrat in Zwickau gewählt – Unsicherheit über Stellenabbau bei Volkswagen wächst
Albertine StollKeine Rechtsverschiebung - IG Metall gewinnt Wahl bei VW Zwickau - Neuer Betriebsrat in Zwickau gewählt – Unsicherheit über Stellenabbau bei Volkswagen wächst
Im Volkswagen-Werk Zwickau ist ein neuer Betriebsrat gewählt worden – vor dem Hintergrund wachsender Unsicherheit über Stellenstreichungen und Produktionsumstellungen. Rund 8.200 Beschäftigte gaben ihre Stimme ab, doch die Stimmung ist gedrückt angesichts jüngster Entlassungen und gekürzter Schichten. Die Wahl fällt in eine Phase, in der der Konzern bis 2030 bundesweit 35.000 Arbeitsplätze abbauen will – eine Entwicklung, die in Sachsens Automobilsektor Besorgnis auslöst.
Das Werk in Zwickau, ein zentraler Standort für Volkswagens Elektrofahrzeuge, hat bereits eine seiner drei Schichten gestrichen. Dadurch gingen etwa 1.200 Arbeitsplätze verloren, was die Spannungen vor der Wahl zusätzlich verschärfte. Die Belegschaft setzte besonders auf eine starke Interessenvertretung, während der Konzern die Produktion zurückfährt.
Die IG Metall, die dominierende Gewerkschaft, sicherte sich 29 der 35 Sitze mit über 81 Prozent der Stimmen. Zwar bleibt sie damit klar in der Mehrheit, doch das Ergebnis liegt unter den knapp 89 Prozent der vorherigen Wahl – ein Zeichen dafür, dass einige Beschäftigte nach Alternativen suchen.
Ein Bündnis mit Verbindungen zur rechtspopulistischen AfD, die "Freie Betriebsratsallianz", erreichte 11,5 Prozent der Stimmen und vier Sitze. Eine weitere Gruppe, die "Alternative Liste", kam auf 7,3 Prozent und zwei Sitze. Die Ergebnisse spiegeln eine zersplittertere Belegschaft wider als in früheren Wahlen.
Über Zwickau hinaus trifft Volkswagens Umstrukturierung Sachsen hart. Die "Gläserne Manufaktur" in Dresden stellte Ende 2025 die Automobilproduktion ein, und Zuliefererbetriebe in der Region bleiben verwundbar. Zwar gibt es keine genauen Zahlen zu den Stellenstreichungen in Sachsen, doch die Veränderungen im Werk wirken sich bereits auf die lokale Beschäftigung aus.
Die Wahlergebnisse geben der IG Metall ein starkes, wenn auch leicht geschwächtes Mandat für Verhandlungen mit der Volkswagen-Führung. Angesichts der geplanten 35.000 Stellenstreichungen bis 2030 steht der neue Betriebsrat vor unmittelbaren Herausforderungen beim Schutz der Arbeitnehmerinteressen. Der Zuwachs an AfD-nahen Vertretern deutet zudem auf eine politische Verschiebung im Werk hin.