Schneemassen verwandeln Deutschlands Alltag in ein spielerisches Wintermärchen
Jan StahrSpalte 'Das Gefühl der Woche', dieses Mal: Raus ins Schneegetümmel! - Schneemassen verwandeln Deutschlands Alltag in ein spielerisches Wintermärchen
Schneemassen legen weite Teile Deutschlands lahm – doch für eine Autorin wird die weiße Pracht zum Spielplatz der Erinnerungen und des kindlichen Übermuts
Dichter Schneefall hat weite Teile Deutschlands unter einer weißen Decke begraben und den Alltag zum Erliegen gebracht. In Hamburg und Niedersachsen bleiben die Schulen geschlossen, während der ADAC Autofahrer dringend auffordert, zu Hause zu bleiben und im Homeoffice zu arbeiten. Doch für eine Schriftstellerin hat die verschneite Landschaft etwas Unerwartetes ausgelöst: eine Sehnsucht nach Spiel und Leichtigkeit.
Der Anblick der sanft zu Boden rieselnden Schneeflocken weckte in ihr längst vergessene Erinnerungen. Vor Jahren hatte ihr jüngster Sohn gefragt, ob eine einzelne Schneeflocke allein fallen könne – oder ob sie andere brauche, die sie tragen. Jetzt, wo dieselben Flocken den Boden bedecken, wird der Drang, hinauszustürmen und sich ihnen anzuschließen, fast unwiderstehlich.
Der Schnee hat Straßen in spontane Spielflächen verwandelt. Eine Kollegin berichtete, wie selbst ortsansässige Händler ihre Stände verließen, um sich eine Schneeballschlacht zu liefern. Die Autorin selbst hat die Gelegenheit beim Schopf gepackt: Sie formt Engelfiguren im Schnee, modelliert Skulpturen aus dem festen Pulver. Die Szene erinnert an die Ratschläge des Arztes und Komikers Eckart von Hirschhausen, der das Spiel als Therapie preist – eine Methode, um die psychische Gesundheit von Erwachsenen zu stärken. Angesichts des noch jungen Jahres schlägt die Autorin ein ungewöhnliches Neujahrsvorhaben vor: Statt starrer Vorsätze solle man den spielerischen Instinkten nachgeben – Grenzen verschieben, frische Spuren hinterlassen, Risiken eingehen. Ihre Botschaft ist klar: Der Schnee erinnert uns daran, dass Provokation und Freude Hand in Hand gehen können.
Während Deutschland sich aus den Schneemassen befreit, schenkt die unfreiwillige Pause eine unerwartete Gabe. Die Schulen bleiben zu, die Straßen sind still, und für einen kurzen Moment scheinen die gewohnten Regeln außer Kraft gesetzt. Der Aufruf zum Spiel mag die Wege nicht freiräumen – aber er könnte die Last der langen Wintertage ein wenig erleichtern.






