Söder will Rente mit 63 streichen – und die Arbeitszeit erhöhen
Lissi StiebitzSPD-Sozialexpertin: Söders Aussagen zu Mehrarbeit 'abwegig' - Söder will Rente mit 63 streichen – und die Arbeitszeit erhöhen
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat vorgeschlagen, die abzugsfreie Rente mit 63 schrittweise abzuschaffen. Zudem regte er an, die Wochenarbeitszeit um eine Stunde zu erhöhen, um das Wirtschaftswachstum zu fördern. Der Plan stößt jedoch bereits auf scharfe Kritik der SPD.
Die aktuelle Regelung zur "Rente mit 63 ohne Abzüge" ermöglicht es Arbeitnehmern mit 45 Beitragsjahren, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Eingeführt wurde sie 2014 als Ersatz für eine frühere Version, die noch Abschläge vorsah. Seitdem steigt das reguläre Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre an, während die abzugsfreie Option bis 2029 auslaufen soll.
Wer sich heute für einen vorzeitigen Ruhestand entscheidet, muss mit monatlichen Abschlägen von 0,3 Prozent rechnen – es sei denn, man erfüllt die Voraussetzungen für die Regelung mit langen Beitragszeiten. Bei der Entscheidung spielen auch Faktoren wie Gesundheit, finanzielle Notwendigkeiten und die Lebenserwartung eine Rolle.
Die SPD-Sozialexpertin Annika Klose lehnte Söders Vorschlag kategorisch ab. Sie betonte, dass die eigentliche Debatte um eine abzugsfreie Rente mit 65 gehe, nicht mit 63. Klose wies zudem darauf hin, dass ältere Arbeitnehmer, insbesondere die über 60-Jährigen, bereits jetzt Schwierigkeiten hätten, im Berufsleben zu bleiben. Zudem würden Weiterbildungsangebote für Menschen ab 55 oft gestrichen, was es ihnen erschwere, sich anzupassen.
Klose bestand darauf, dass Arbeitszeiten Sache der Tarifpartner seien und nicht von der Politik vorgegeben werden sollten. Gleichzeitig verteidigte sie die deutschen Arbeitnehmer: Diese leisteten bereits lange Arbeitszeiten und seien bereit, bei Bedarf Überstunden zu machen.
Söders Forderung nach einem Ende der abzugsfreien Rente mit 63 und einer Ausweitung der Arbeitszeit trifft auf Widerstand. Die SPD argumentiert, dass ältere Arbeitnehmer bereits genug Herausforderungen zu bewältigen hätten, ohne weitere Verschärfungen. Die Diskussion dreht sich nun darum, wie wirtschaftliche Erfordernisse mit fairen Bedingungen für langjährige Beschäftigte in Einklang gebracht werden können.