08 February 2026, 04:49

SPD will Europa mit "Kauft europäisch"-Strategie unabhängiger von den USA machen

Eine Karte, die die 73-jährige Erweiterung der North Atlantic Treaty Organization (NATO) von 1949 bis heute zeigt, wobei die Regionen farblich nach Jahren unterteilt sind und zusätzliche Informationen oben auf der Karte zu finden sind.

SPD: Deutschland muss seine Beziehung zu den USA neu definieren - SPD will Europa mit "Kauft europäisch"-Strategie unabhängiger von den USA machen

Die SPD fordert eine grundlegende Neuausrichtung der europäischen Politik und wirbt für eine "Kauft europäisch"-Strategie, um heimische Industrien zu stärken. Der Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der die Zuverlässigkeit der USA unter dem ehemaligen Präsidenten Donald Trump zunehmend infrage steht. Parteichef Lars Klingbeil betont, Europa müsse sich nun stärker auf eigene Ressourcen stützen, um Arbeitsplätze zu sichern und die Unabhängigkeit zu festigen.

Der Ruf nach europäischer Eigenständigkeit ist das Ergebnis jahrelanger Veränderungen in den transatlantischen Beziehungen. Seit Trumps Amtszeit argumentiert die SPD, dass traditionelle Bündnisse nicht mehr als selbstverständlich gelten könnten. Unter Bundeskanzler Olaf Scholz hat Deutschland bereits Schritte unternommen, um die Abhängigkeit von den USA – insbesondere im Verteidigungsbereich – zu verringern.

Im Februar 2022 kündigte Scholz in seiner Zeitenwende-Rede 100 Milliarden Euro für die Modernisierung der Bundeswehr an. Damit sollte die Abhängigkeit von der NATO verringert und gleichzeitig die militärischen Fähigkeiten Deutschlands gestärkt werden. Noch im selben Jahr beteiligte sich das Land an der Gründung der European Sky Shield Initiative, einem gemeinsamen Luftabwehrsystem, das auch ohne US-Unterstützung funktionieren soll.

Weitere Maßnahmen umfassen Reformen des EU-Stabilitätspakts, die den Mitgliedstaaten mehr finanzielle Spielräume einräumen. 2023 trieb Deutschland zudem die Schaffung des Europäischen Verteidigungsfonds voran und sagte bis 2026 acht Milliarden Euro zu. Der Fonds fördert gemeinsame Rüstungsprojekte und verringert die strategische Abhängigkeit von nicht-europäischen Lieferanten.

Klingbeil unterstreicht nun, dass Europa zu einer stärkeren politischen und wirtschaftlichen Macht werden müsse. Der aktuelle SPD-Vorschlag sieht vor, europäische Produkte – vor allem im Verteidigungssektor – zu bevorzugen, um Arbeitsplätze zu sichern und die Autonomie des Kontinents zu stärken.

Der Plan der SPD spiegelt die wachsenden Bedenken hinsichtlich der Verlässlichkeit der USA angesichts wechselnder politischer Führungen wider. Mit bestehenden Investitionen in die Verteidigung und Reformen der EU-Finanzregeln steuert Deutschland bereits auf mehr Eigenständigkeit zu. Das "Kauft europäisch"-Prinzip wäre ein weiterer Schritt, um externe Abhängigkeiten zu reduzieren und heimische Industrien zu schützen.