Sylter Weinhändler wegen Millionenbetrugs und verzögerter Insolvenz vor Gericht
Lissi StiebitzProzess gegen Sylter Wein-Händler - Weinbetrug? - Sylter Weinhändler wegen Millionenbetrugs und verzögerter Insolvenz vor Gericht
Ein ehemaliger Weinhändler aus Westerland auf Sylt muss sich wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung vor Gericht verantworten. Im Mittelpunkt des Verfahrens stehen Vorwürfe, er habe Investoren getäuscht, Kredite nicht zurückgezahlt und Waren nicht geliefert. Sein Unternehmen war nach einem Brand im Jahr 2019 zusammengebrochen, doch die finanziellen Probleme begannen bereits deutlich früher.
Der Angeklagte hatte seit 2003 ein Weingeschäft, eine Gastronomiesparte und einen Laden für Küchenzutaten betrieben. Bereits Ende November 2018 war sein Unternehmen jedoch insolvent: Die Verbindlichkeiten beliefen sich auf 1,6 Millionen Euro, während die Vermögenswerte um 1,5 Millionen Euro zu niedrig waren. Trotzdem führte er das Geschäft weiter, ohne Insolvenz anzumelden.
Zwischen Dezember 2018 und Oktober 2019 soll er Investoren mit falschen Angaben über seine finanzielle Lage gelockt haben. Er nahm ein Darlehen über 125.000 Euro auf und verkaufte Flaschen im Wert von etwa 163.000 Euro – doch weder das Geld wurde zurückgezahlt noch die Waren ausgeliefert. Kunden, die statt der bestellten Produkte eine Rückerstattung verlangten, erhielten oft nur wenig oder gar nichts.
Im April 2019 startete er einen Investmentfonds, der mindestens zehn Prozent Rendite pro Jahr versprach. Auf diese Weise sammelte er von mehreren Anlegern über 356.000 Euro ein. Zudem bot er ein Modell an, bei dem Käufer Wein, Champagner oder Cognac bestellen und bei Stornierung innerhalb einer bestimmten Frist eine Rückerstattung erhalten sollten – doch viele sahen ihr Geld nie wieder.
Nach einem Brand, der im August 2019 seinen Lagerbestand zerstörte, erweiterte er das Geschäft um selbst produzierten Gin. Erst im Januar 2020, mehr als ein Jahr nach der eigentlichen Insolvenz, meldete das Unternehmen offiziell Konkurs an. Die durch den Betrug entstandenen Gesamtverluste belaufen sich mittlerweile auf über 2,6 Millionen Euro.
Die Staatsanwaltschaft München ermittelt zudem wegen möglicher weiterer finanzieller Verstrickungen, darunter mögliche Auswirkungen auf die Bayerische Versorgungskammer (BVK), die rund 2,7 bis 3 Millionen Menschen versichert. Zwar gibt es keine offizielle Zahl der betroffenen Anleger, doch erste Ermittlungen deuten darauf hin, dass die Verluste bis zu 700 Millionen Euro betragen könnten.
Der Prozess dreht sich um den Vorwurf, der Angeklagte habe Investoren wissentlich getäuscht, während sein Unternehmen bereits vor dem Zusammenbruch stand. Durch die verzögerte Insolvenzanmeldung und die nicht gelieferten Waren erlitten viele erhebliche finanzielle Verluste. Nun muss das Gericht das Ausmaß seiner Haftung und mögliche weitere Konsequenzen klären.