Thüringer Hochschulen kämpfen um Qualität trotz knapper Kassen und wachsender Studierendenzahlen
Albertine StollTeichert: Universitäten brechen Abwärtstrend bei Studentenzahlen - Thüringer Hochschulen kämpfen um Qualität trotz knapper Kassen und wachsender Studierendenzahlen
Thüringens Hochschulen stehen vor einem Wendepunkt: Finanznot zwingt zur Neuausrichtung der Hochschulplanung
Während die Studentenzahlen in Thüringen stabil bleiben oder sogar leicht steigen, gefährden Haushaltsengpässe die zukünftige Ausstattung der Hochschulen. Staatssekretär Steffen Teichert warnt vor einem "klassischen Zielkonflikt" zwischen Finanzierung und akademischen Ansprüchen.
Im Oktober meldeten die Hochschulen des Landes für das Wintersemester konstante oder wachsende Studierendenzahlen. Doch trotz dieses positiven Trends schränken die angespannte Haushaltslage die Handlungsspielräume ein. Bereits der Haushalt 2026/2027 sieht nur eine gedrosselte Steigerung der Mittel vor – eine Entscheidung, die von der oppositionellen Linken kritisiert wird.
Das verlängerte Rahmenabkommen V gilt bis 2026 und garantiert einen Anstieg der Landesmittel um 3,5 Prozent – rund 600 Millionen Euro – sowie einen zusätzlichen Aufschlag von 1 Prozent aus dem Strategie- und Innovationsbudget. Die Grundfinanzierung steigt zudem jährlich um 3 Prozent, um die steigenden Kosten abzufedern. Allerdings wurden die Verhandlungen für das nächste Rahmenabkommen VI auf 2026 verschoben, sodass dessen Umsetzung erst 2030 greifen wird. Teichert betonte, wie wichtig starke Studiengänge und regionale Arbeitsperspektiven seien, um junge Talente in der Region zu halten.
Um die Lehrqualität zu verbessern und Studierende zu gewinnen, starten 2026 im Rahmen des eTeach-Netzwerks acht digitale Lehrprojekte – darunter KI-gestützte Tutorien und Initiativen in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Zudem sichert die Landarztquote ab dem Wintersemester 2026/27 Studienplätze in Medizin für Bewerber, die sich verpflichten, später in ländlichen Regionen zu arbeiten.
Trotz der finanziellen Zwänge schloss Teichert radikale Maßnahmen wie die Schließung von Studiengängen oder den Abriss von Hochschulgebäuden in naher Zukunft aus. Stattdessen setzt die Landesregierung auf eine langfristige Strategie für die Hochschullandschaft – mit Blick auf die Jahre 2035 oder 2040.
Die Haushaltsprobleme treffen Thüringen zu einem Zeitpunkt, an dem die Studentenzahlen zwar halten, sogar ein leichter Anstieg möglich ist. Nun geht es darum, mit begrenzten Mitteln die akademische Qualität zu sichern. Die anstehenden Verhandlungen über das nächste Rahmenabkommen werden zeigen, wie sich die Hochschulen des Landes in den kommenden Jahren an die finanziellen Realitäten anpassen.






