Warum berühmte Musiker kürzer leben als ihre unbekannten Kollegen
Hans Jürgen ZobelWarum berühmte Musiker kürzer leben als ihre unbekannten Kollegen
Die Idee des "27er-Clubs" fasziniert seit langem Fans und Forscher gleichermaßen. Dieser Mythos besagt, dass berühmte Musiker ein höheres Risiko haben, mit oder um das 27. Lebensjahr zu sterben. Sechs ikonische Persönlichkeiten – Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Kurt Cobain und Amy Winehouse – werden oft mit diesem angeblichen Fluch in Verbindung gebracht.
2011 untersuchte eine Studie des "British Medical Journal", ob die frühen Todesfälle von Stars tatsächlich mit einem verfluchten Alter zusammenhängen. Die Forscher Johanna Hepp, Christoph Heine, Melanie Schliebener und Prof. Dr. Michael Dufner von der Universität Witten/Herdecke (UW/H) analysierten die Lebenserwartung berühmter Musiker im Vergleich zu weniger bekannten Kollegen. Ihre Ergebnisse zeigten: Es gibt kein besonderes Risiko mit 27 – doch sie entdeckten ein größeres Muster: Berühmtheit selbst verkürzt das Leben.
Die Studie ergab, dass bekannte Musiker im Durchschnitt 4,6 Jahre kürzer lebten als solche, die nie die Charts anführten. Während berühmte Künstler durchschnittlich 75,19 Jahre alt wurden, erreichten ihre weniger bekannten Kollegen fast fünf Jahre mehr – im Schnitt 79,75 Jahre. Die Last des Ruhms, so das Fazit der Forscher, überwiegt die Vorteile eines hohen sozioökonomischen Status, wenn es um die Lebensdauer geht. Berühmtheit erhöhte das Sterberisiko um 33 Prozent im Vergleich zu denen, die nie Chart-Erfolge feiern konnten. Das Phänomen beschränkt sich nicht auf ein Land – in jeder Nation gibt es Stars, die zu früh starben, wie etwa Viktor Zoi und Alexander Baschlatschow in Russland.
Die Forschung widerlegt zwar den Mythos des "27er-Clubs", deckt aber eine beunruhigende Wahrheit auf: Ruhm fordert einen messbaren Tribut an die Lebenserwartung. Musiker, die große Anerkennung erlangen, leben tendenziell kürzer als ihre weniger berühmten Kollegen. Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die Belastungen des Prominentendaseins ein zentraler Faktor für diese Ungleichheit sind.






