Warum Deutschlands Spitzenküchen trotz mehr Köchinnen männlich dominiert bleiben
Hans Jürgen ZobelWarum Deutschlands Spitzenküchen trotz mehr Köchinnen männlich dominiert bleiben
Deutschlands kulinarische Szene bleibt fest in Männerhand – trotz mehr dfb frauen in der Ausbildung
Trotz steigender Zahlen von Frauen in der Kochausbildung bleibt die deutsche Gastronomie stark männlich geprägt. 2025 führten nur 14 Köchinnen ein Restaurant mit Michelin-Stern – im Vergleich zu 337 Männern. Dieses Ungleichgewicht hält an, obwohl Initiativen und prominente Frauen für mehr Veränderung in der Branche kämpfen.
Die Schere öffnet sich bereits früh. In Hamburg begannen 2023 weniger Frauen als Männer eine kulinarische Ausbildung, doch 2024 waren bundesweit leicht mehr Frauen als Männer unter den ausgebildeten Köch:innen vertreten. Doch in Führungspositionen sieht die Bilanz anders aus: Nur 33 Prozent der Spitzenjobs in der Gastronomie sind mit Frauen besetzt.
Die harte Realität des Berufs verschärft die Disparität. Lange, unberechenbare Arbeitszeiten, extremer Druck und männlich dominierte Netzwerke erschweren Frauen den Aufstieg. Weltweit werden nur etwa sechs Prozent der mit Michelin-Sternen ausgezeichneten Küchen von Frauen geleitet – ein Trend, der sich auch in Deutschlands 341 Sterne-Restaurants widerspiegelt.
Einige Köchinnen stellen sich jedoch gegen den Status quo. Zora Klipp, Küchenchefin im Café Weidenkantine und im Restaurant Blattgold, setzt auf pflanzenbasierte Küche und bricht gleichzeitig mit traditionellen Küchenhierarchien. Clara Hunger, eine Hamburger Köchin, eröffnete mit Nullkommaeins eine Pop-up-Bar in St. Pauli und bereichert damit die wachsende, von Frauen geprägte kulinarische Szene der Stadt.
Sichtbarkeit und Vernetzung spielen eine entscheidende Rolle. Die Food-Journalistin Denise Wachter gründete Chef:in, eine Plattform, die Deutschlands führende Köchinnen vorstellt. Das Verzeichnis stößt auf großes Interesse – Produktionsfirmen nutzen es bereits, um Frauen für TV-Formate zu entdecken. Der Erfolg der Plattform unterstreicht den Bedarf an besserer Repräsentation und Unterstützungsstrukturen.
Viele Spitzenköchinnen engagieren sich mittlerweile für familienfreundlichere Arbeitsbedingungen. Ihr Ziel: die Branche zugänglicher zu machen, damit nicht nur Durchhaltevermögen, sondern auch Talent über Erfolg entscheidet.
Die Zahlen zeigen einen langsamen, aber spürbaren Wandel. Immer mehr Frauen ergreifen den Beruf, und Plattformen wie Chef:in schaffen neue Chancen. Doch solange nur ein Bruchteil der Michelin-gekrönten Köche Frauen sind, bleibt der Kampf um Gleichberechtigung in Deutschlands Küchen eine dringende Aufgabe.