Wie die "Saublodere" den Rottenburger Fasching seit Jahrhunderten prägt
Hans Jürgen ZobelStinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Wie die "Saublodere" den Rottenburger Fasching seit Jahrhunderten prägt
Jedes Jahr zur Faschingszeit in Rottenburg, Baden-Württemberg, hallt das Knallen der "Saublodere" durch die Straßen. Diese Lärmmacher aus aufgeblasenen Schweineblasen sind seit Jahrhunderten fester Bestandteil der schwäbisch-alemannischen Tradition. Zusammen mit Masken und Narrenkostümen spielen sie eine zentrale Rolle bei den Feierlichkeiten – doch ihre Herstellung ist alles andere als einfach.
Der Prozess beginnt mit der Beschaffung der Blasen bei örtlichen Metzgern. Die Faschingsgilden, bekannt als Narrenzünfte, wählen nur die robustesten Exemplare aus. Jede Blase wird entleert, in Lake eingelegt, gewaschen und auf Mängel überprüft. Ist sie einsatzbereit, wird sie an eine Schnur gebunden, manchmal auch an einen Holzstab oder gar an einen getrockneten Stierpenis.
Wird die aufgeblasene Blase dann geschwungen und auf den Boden geschlagen, entsteht ein scharfes, ohrenbetäubendes Knallen. Dieser plötzliche Lärm erschreckt oft die Zuschauer und trägt so zum lebhaften Chaos des Faschings bei. Die Schweineblase selbst hat dabei eine symbolische Bedeutung: Sie steht für Eitelkeit und Maßlosigkeit – ein spöttischer Seitenhieb auf die menschliche Torheit.
In den letzten Jahren sind einige Gilden auf Rinderblasen umgestiegen. Größer und widerstandsfähiger halten sie mehreren Umzügen stand, ohne zu reißen. Doch es gibt keine offiziellen Aufzeichnungen darüber, wie viele Gruppen den Wechsel vollzogen haben oder warum sie die eine oder andere Variante bevorzugen.
Die "Saublodere" bleibt ein prägendes Element des Rottenburger Faschings. Ob aus Schweine- oder Rinderblasen gefertigt – ihr lautes Knallen überrascht und unterhält die Menge noch immer. Die über Generationen weitergegebene Tradition zeigt keine Anzeichen, an Strahlkraft zu verlieren.