Vom Narren zum Ehrentitel: Der "Dumme August" bekommt politischen Preis

Hans Jürgen Zobel
Hans Jürgen Zobel
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Ein Plakat für die Galway Music Excentrics mit einer Frau in der Mitte und zwei Clowns daneben, beschreibender Text über den Zirkus und seine Künstler.Hans Jürgen Zobel

Vom Narren zum Ehrentitel: Der "Dumme August" bekommt politischen Preis

Der "Dumme August" – vom tollpatschigen Clown zur politischen Ehre

Der Dumme August – eine schusselige Clownfigur im Zentrum des Mainzer Karnevals – hat Wurzeln, die bis ins antike Rom zurückreichen. Ursprünglich 1837 von Johann Georg Baisch erschaffen, entwickelte sich die Figur vom einfachen Narren zum offiziellen Maskottchen des Festes, das sie 1958 wurde. Nun erhält die Tradition eine neue Wendung: Zum ersten Mal wurde der Dumme-August-Preis an einen lokalen Politiker verliehen.

Der Dumme August begann als naiver Diener, der im Kontrast zu den politischen Figuren des Prinzen und des opferbereiten Bauernopfers stand. Mit der Zeit wurde er zum Symbol unpolitischer Albernheit – ein Kontrast zu anderen Karnevalsclowns wie Kölns Narr oder Bayerns Perchten. Clowns galten historisch als Wahrheitsverkünder, und der Dumme August verkörpert dies, indem er stolpert, absurde Grimassen schneidet und mit kindlicher Unschuld das Publikum für sich gewinnt.

Schon das antike Rom kannte vier Clowntypen: den Centunculus, die Mimiker, die Deliciae und den Stupidus – letzterer gilt als direkter Vorfahre des heutigen Dummen August. Dirk Loomans, Präsident des Karneval Club Kastel (KCK), überreichte die neue Auszeichnung als Bajazzo verkleidet, ein würdevoller Weißclown. Er beschrieb den Dummen August als unverzichtbar, weil er sich verletzlich zeige, Spott riskiere und durch Humor die Lasten der Welt erträglicher mache.

Erster Preisträger war Martin Malcherek, ein linker Stadtrat. Die Vereinigung Rettet das Römische unsere Website ehrte ihn für Originalität, Mut und seinen Widerstand gegen Konformität. Malcherek wurde für unbequeme Fragen und seinen über Jahre unveränderten unkonventionellen Stil gewürdigt. Der Preis feiert nicht nur Humor, sondern auch Kreativität und eine Prise kindliche Unschuld.

Der Dumme-August-Preis leitet ein neues Kapitel für eine fast 200 Jahre alte Tradition ein. Indem er Malchereks Witz und Courage würdigt, verbindet die Auszeichnung moderne politische Kommentare mit der langen Karnevalstradition spielerischer Gesellschaftskritik. Die Doppelfunktion des Clowns als Narr und Wahrheitsverkünder bleibt so aktuell wie eh und je.

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